Warum wählen wir immer noch offline?

Viele Bereiche unseres Lebens haben sich im Zuge der Digitalisierung stark verändert. Heutzutage ist es völlig selbstverständlich, dass wir einen Gutteil unserer Besorgungen über das Internet erledigen und uns zu allen Zielen der Welt mit dem Smartphone navigieren lassen. Stehen in Deutschland Wahlen an, finden die jedoch immer noch offline statt. Warum ist das eigentlich so?

Ganz einfach: Es scheitert an der Sicherheit

In der Theorie klingt alles ganz entspannt: Wir sitzen zuhause vor dem Laptop oder in der U-Bahn vor dem Smartphone, sehen uns das Wahlprogramm der Parteien zur Sicherheit noch einmal durch und geben dann einfach unsere Stimme digital in einer Wahl-App ab.

Die Vorteile würden doch auf der Hand liegen: Die Wähler sparen sich den mühsamen Gang zur nächsten Wahlurne und das Ergebnis würde sofort nach Wahlende vorliegen, ohne dass freiwillige Wahlhelfer erst noch alle Stimmen analog auszählen müssten.

Alles wäre so schön, gäbe es da nicht auch noch das Thema Sicherheit. Wer kurz darüber nachdenkt, wie oft in den Medien von Hacker-Angriffen oder Sicherheitslücken beim Online-Banking zu lesen ist, wird das wohl sehr gut nachvollziehen können.

Dass es dabei nicht nur um nationale Interessen geht, zeigen die Präsidentenwahlen in den Vereinigten Staaten. Noch immer wird in den USA darüber diskutiert, ob Staaten wie Russland oder der Iran manipulativ in das Ergebnis der letzten Wahl eingegriffen haben. Die Gefahr, dass jemand aus dem Ausland die Wahl zu seinen Gunsten manipulieren und so für eine Destabilisierung von Europa sorgen könnte, ist aktuell einfach zu groß.

Weitere Probleme durch Identitätsdiebstähle und Family Voting

Dass in Deutschland nicht online gewählt wird, heißt jedoch noch lange nicht, dass das Internet keinen Einfluss auf die Wahlen hat. Im Gegenteil: Hinter jedem Politiker und jeder Partei steckt eine professionelle SEO Agentur, die mit einer geschickten Keyword-Strategie ebenfalls für den ein oder anderen Prozentpunkt verantwortlich sein kann, der letztendlich eine Wahl entscheiden könnte.

Dass es keine digitale Wahlkabine gibt, liegt zum Teil auch an der Möglichkeit des Identitätsdiebstahls. Wer einmal schon davon betroffen war und sich beispielsweise nicht mehr in seinen eigenen E-Mail-Account einloggen konnte, der weiß, was das bedeutet. Dennoch sind die meisten nach wie vor sehr nachlässig, was die Sicherheit ihrer Passwörter anbelangt. „password“ und „12345678“ belegen leider immer noch die beiden Top-Plätze.

Darüber hinaus besteht die Gefahr des Family Votings. Damit ist gemeint, dass eine Person in der Familie die Zugangscodes einsammelt und gleich für alle die Stimme abgibt. Doch nicht in jeder Familie in Deutschland wählt jedes Mitglied die gleiche Partei. Selbst wenn Mutti am Esstisch stets behauptet, CDU zu wählen, muss das auch noch lange nicht den Tatsachen entsprechen. Denn in der echten Wahlkabine kann ihr bei der Abgabe ihrer Stimme niemand über die Schulter schauen. Digital ist das aber sehr wohl möglich.